
Gewaltfreie antifaschistische Praxis, Dokumentation und Reflexion für Gelsenkirchen und darüber hinaus.
Auch umstrittene Quellen oder Personen können in einzelnen Punkten sachlich Recht haben.
Entscheidend sind daher nicht Ruf, Lagerzugehörigkeit oder technische Vorbehalte, sondern Beleglage, Kontext und Nachvollziehbarkeit.
2025 vollzog sich ein notwendiger Strategiewechsel: Aus unseren Socialmediakanälen @antifa_ge ist → @gegen_gewalt_ge geworden. Die Umbenennung ist keine Distanzierung von antifaschistischen Grundhaltungen, sondern eine Reaktion auf reale Verschiebungen im politischen und technischen Umfeld. Seit 2025 wurden international vermehrt lose Antifa-Strukturen pauschal mit „Terrorismus“ verknüpft – teils ohne Verfahren, oft ohne Differenzierung. Solche Rahmungen wirken in Sicherheitsbehörden, Plattformrichtlinien und Algorithmik fort und treffen im Zweifel zuerst diejenigen, die dokumentieren, analysieren und kritisieren.
Für unsere Kanäle bedeutet das: Wir möchten weiterhin antifaschistische, gewaltkritische und rechtsstaatlich orientierte Arbeit machen – ohne dabei Menschen unnötig zu gefährden, die über alte Sticker, QR-Codes oder geteilte Links zufällig auf unseren Kanälen landen. Der neutralere Name @gegen_gewalt_ge benennt den Kern dessen, worum es bei antifaschistischer Arbeit praktisch geht: Kritik an Gewaltstrukturen, an autoritären Tendenzen, an Entmenschlichung – und zwar sowohl auf staatlicher als auch auf nichtstaatlicher Ebene, einschließlich der Szenen, die sich selbst als emanzipatorisch verstehen.
Ein zweiter Grund für diese Klarstellung liegt in der internen Konfliktlage vieler Bewegungen. In den vergangenen Jahren haben sich – auch bei uns vor Ort – Formen informeller Gerichtsbarkeit, Rufschädigung und Ausschlusspolitik etabliert, die rechtsstaatliche Prinzipien unterlaufen und dennoch oft im Namen von „Schutz“ oder „Awareness“ auftreten. Wir haben am AS-Institut viele dieser Prozesse systematisch aufgearbeitet und werden die Ergebnisse zielgruppengerecht auch auf TikTok und Instagram publizieren: Wie entstehen solche Dynamiken, welche Machtverhältnisse werden stabilisiert, wer wird zum „Fall“ gemacht, und wie ließe sich Konfliktbearbeitung gewaltfrei, nachvollziehbar und fair gestalten?
Die hier geteilten Verlinkungen und Grafiken sind daher Symbol für eine doppelte Verschiebung: weg von einem Label, das international zunehmend als Projektionsfläche für Terrordiskurse dient, hin zu einer eindeutigen Fokussierung auf Gewaltkritik und Aufklärung – und zugleich weg von der Illusion, dass „die eigene Szene“ automatisch auf der richtigen Seite der Geschichte steht. Mittelfristig werden dazu vertiefende Erklärungen, Gespräche und Interviews folgen, die die Hintergründe, Fallverläufe und strukturellen Mechanismen detailliert beleuchten. Wer über @antifa_ge hier gelandet ist, ist richtig: Es ist dieselbe Autorenschaft, dieselbe ethische Linie – nun unter einem Namen, der die Aufgabe präziser fasst: gegen Gewalt, für Aufklärung.
as-institut.de – für reflexive Gesellschaftsethik und Systemforschung · seit 2012.
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gegen_gewalt_ge ist kein bloßer Social-Media-Kanalverbund, sondern ein offener Arbeits- und Reflexionszusammenhang an der Schnittstelle von gewaltfreier antifaschistischer Praxis, Dokumentation, Medienkritik, Bildungsarbeit und gesellschaftlicher Analyse. Die verschiedenen Kanäle dienen dabei unterschiedlichen Zwecken: manche eher der Sichtbarkeit, andere der Einordnung, andere der vertiefenden Weiterarbeit.
Diese Seite dient daher nicht nur als Weiterleitung, sondern auch als Orientierung: Was findet sich wo? Wer könnte sich wofür interessieren? Und auf welchen Ebenen ist eine vorsichtige oder intensivere Form der Einbringung überhaupt möglich?
Nicht jede Beteiligung muss gleich aussehen. Manche Menschen möchten zunächst nur beobachten, lesen oder punktuell helfen. Andere interessieren sich für lokale antifaschistische Praxis. Wieder andere suchen einen Zugang zu vertiefender Bildungs- und Reflexionsarbeit. Deshalb wird hier bewusst zwischen drei Ebenen unterschieden.
Für Menschen, die Kanäle weiterempfehlen, Plakate oder Flyer weitertragen, Hinweise schicken, Beobachtungen dokumentieren oder punktuell bei Sichtbarkeit und Verbreitung helfen möchten.
Auch kleine, unregelmäßige oder vorsichtige Beiträge können sinnvoll sein.
Für Menschen aus Gelsenkirchen und Umgebung, die Interesse an gewaltfreier, reflektierter, nicht-naiver antifaschistischer Arbeit, Austausch, punktueller Zusammenarbeit oder längerfristiger lokaler Andockung haben.
Nicht jede Mitwirkung muss sofort öffentlich, dauerhaft oder hochverbindlich sein.
Für Menschen, die Texte lesen, Rückmeldung geben, Begriffe schärfen, Inhalte verständlicher machen, an Publikationen mitdenken oder sich für die vertiefende Arbeit des AS-Instituts interessieren.
Auch hier sind vorsichtige Erstkontakte, Nachfragen und schrittweise Annäherungen ausdrücklich möglich.
Die verschiedenen Plattformen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Wer nur einem Kanal folgt, sieht daher immer nur einen Ausschnitt. Die folgende Übersicht soll verdeutlichen, wofür die jeweiligen Zugänge vor allem gedacht sind.
Kurzvideos, dokumentarische Einblicke, Plattformexperimente, lokale Beobachtungen, Medienkritik und antifaschistische Sichtbarkeitsarbeit.
TikTok-Kanal ansehenBildbasierte Formate, Plakate, grafische Zuspitzungen, Hinweise, kurze Auszüge und niedrigschwellige Weitergabe für Menschen, die eher visuell anschließen.
Instagram-Kanal öffnenPublikationen, Hintergrundtexte, Bildungsarbeit, systemische Analysen und vertiefende Einordnungen jenseits der Kürze und Verteilungslogik kommerzieller Plattformen.
Texte und Hintergründe lesenWer sich angesprochen fühlt, muss nicht bereits „fertig organisiert“ sein. Es ist möglich, zunächst nur nachzufragen, mitzulesen, eine Idee zu spiegeln, punktuelle Unterstützung anzubieten oder sich über mögliche Formen der Einbringung zu informieren.
Kontakt ist sowohl über Direktnachrichten auf den Social-Media-Kanälen als auch per E-Mail über das AS-Institut möglich. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen zwischen politischem Interesse, Überforderung, Unsicherheit und Distanzierung stehen, sind auch kleine und vorsichtige Formen der Kontaktaufnahme legitim.
Die Kanäle @antifa_ge beziehungsweise @gegen_gewalt_ge waren und sind kein bloßes Schaufenster für Parolen, sondern ein experimenteller, dokumentarischer und zum Teil bewusst irritierender Arbeitsraum. Veröffentlicht wurden dort nicht nur klassische politische Kurzstatements, sondern auch satirische Zuspitzungen, performative Rollenspiele, dokumentarisch gerahmte Fallformate, Medienkritik, künstlerische Interventionen und Beiträge zu innerkollektiven Konflikten, Gewaltfragen, Plattformlogiken und digitaler Sichtbarkeit.
Wer diese Kanäle besucht, findet daher nicht nur niedrigschwellige Aufklärung, sondern mitunter auch explizitere, sperrige oder grenzwertige Inhalte. Diese stehen jedoch nicht isoliert für sich, sondern sind Teil eines größeren Zusammenhangs: Sie dienten häufig dazu, reale Gewaltverhältnisse, autoritäre Tendenzen, verdrängte Konflikte, Tabuzonen oder blinde Flecken der eigenen Szene überhaupt erst sichtbar und besprechbar zu machen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag Anfang 2025 auf der Frage, wie antifaschistische Inhalte auf stark KI-gefilterten Mainstreamplattformen überhaupt noch sichtbar gemacht werden können. Gerade auf TikTok zeigte sich wiederholt, dass bestimmte Themen, Bildsprachen oder politische Zuspitzungen frühzeitig gesperrt, depriorisiert oder algorithmisch aussortiert wurden. Ein Teil der Arbeit bestand deshalb darin, solche Inhalte stärker dokumentarisch zu rahmen, sie durch erklärende Vor- und Nachsequenzen einzuordnen, Sperrentscheidungen argumentativ anzufechten und Formate so zu kontextualisieren, dass sie nicht vorschnell als bloße Regelverletzung gelesen wurden. Auf diese Weise konnten zahlreiche zuvor blockierte oder unsichtbare Beiträge wieder zugänglich gemacht und antifaschistische Perspektiven auf Plattformen eingebracht werden, die ohne diese Vermittlungsarbeit deutlich enger gefiltert geblieben wären.
Diese Vorgehensweise war keine Spielerei und kein Selbstzweck. Sie entstand aus der Beobachtung, dass digitale Sichtbarkeit längst nicht mehr neutral verteilt wird, sondern durch Plattformrichtlinien, Moderationspraktiken und KI-gestützte Vorfilterung mitbestimmt ist. Dokumentarische Rahmung, medienkritische Einordnung und argumentative Intervention wurden deshalb als Mittel genutzt, um zivilgesellschaftliche und antifaschistische Inhalte in einem zunehmend vorstrukturierten digitalen Raum überhaupt behaupten zu können. Entsprechende TikTok-Experimente und ihre spätere Umdeutung als „Manipulation“ oder „Täuschung“ sind auch in den begleitenden Analysen des AS-Instituts ausführlich dokumentiert.
Zugleich gilt: Solche Formate setzen Kontextkompetenz voraus. Einzelne Clips, Bilder oder satirische Fragmente können missverstanden oder absichtlich aus ihrem Zusammenhang gelöst werden. Genau das ist in späteren Konfliktlagen teilweise geschehen: dokumentarisch oder performativ gerahmte Beiträge wurden isoliert, ihres Kontextes beraubt und nachträglich gegen ihre Urheber verwendet. Wer diese Kanäle ernsthaft verstehen will, sollte sie daher nicht fragmentarisch, sondern im Zusammenhang lesen – als Teil eines umfassenderen Projekts aus Gewaltkritik, Aufklärung, Medienreflexion und experimenteller Gegenöffentlichkeit.
Die Social-Media-Arbeit von gegen_gewalt_ge bewegt sich damit bewusst zwischen Dokumentation, Zuspitzung, Lernversuch und Plattformkritik. Ihr Ziel ist nicht Sensation, sondern Sichtbarmachung: von Themen, die verdrängt werden, von Gewalt, die verharmlost wird, und von Kommunikationsformen, die auf standardisierten Plattformen oft nur dann bestehen können, wenn sie zugleich präzise gerahmt und kritisch reflektiert werden.
Eine kontroverse Quelle delegitimiert nicht ihre Argumentation; sie verschärft allenfalls die Anforderungen an Prüfung, Kontextualisierung und Gegenkontrolle.
Soziale Diskreditierung ersetzt keine Argumentprüfung. Eine Person kann umstritten sein und dennoch in einzelnen oder vielen Punkten sachlich Recht haben.
Moderne Werkzeuge delegitimieren keinen Gedanken. Wie zuvor Schreibmaschine, Computer oder digitale Archive verändert auch KI vor allem Produktions-, Prüf- und Verdichtungsprozesse – nicht automatisch den Wahrheitswert eines Arguments.
Dass eine Aussage aus einem konfliktbelasteten, stigmatisierten oder szenisch umstrittenen Zusammenhang stammt, macht sie nicht automatisch falsch. Ebenso machen Mehrheitszustimmung, institutionelles Prestige oder moralische Reputation eine Aussage nicht automatisch wahr.
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Andre Schmidt
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